Unterwegs mit der Videobustour: Die schönsten Berlin-Drehorte

Habt Ihr gewusst, dass Berlin in Filmen wie „In 80 Tagen um die Welt“ als Kulisse für London, Paris, Istanbul und viele weitere Städte herhalten durfte? Dass die Friedrichstraße einst die Hochburg der internationalen Filmbranche war? Oder dass der berühmteste Berlin-Film „Lola rennt“ vor logischen Fehlern nur so strotzt – und trotzdem genau wegen seinen unzähligen Drehorte für Berlin-Fans so sehenswert ist? Das und noch viel mehr erfahrt Ihr auf der Videobustour, die Euch zu den schönsten Drehorten Berlins bringt.

Zeitreise durch die Berliner Filmgeschichte

Bei mir ist es an einem trüben Samstag soweit – ein perfekter Tag um im angenehm klimatisierten Bus durch die Hauptstadt zu fahren und sich auf Zeitreise durch die deutsche und internationale Filmgeschichte zu begeben. Ich bin sowieso ein Filmfan, umso praktischer, einfach in einen Bus zu steigen und so auf ganz gemütliche Weise neue Orte kennenzulernen. Anekdoten zum Filmdreh finde ich immer spannend, so liebe ich es mir auf DVDs das Making-Of und zusätzliche Bild-Material zu einem Film anzuschauen und so noch mehr über den Filmdreh zu erfahren. Die Videobustour verspricht eine „multimediale Stadttour an die Originalschauplätze historischer Filme“ – ich bin gespannt, was mich erwartet. Meine Foto-Kamera habe ich natürlich auch dabei.

Unter den Linden, inmitten bunter kleiner Läden mit Berlin-Postkarten und anderem Merchandise, steht der Videobus schon geparkt. Busfahrer Olli und Tour-Guide Bobby begrüßen mich freundlich und ich suche mir im Bus gleich einen guten Platz mit Blick auf den vorne montierten Bildschirm aus. Denn im Laufe der Tour wird – so erklärt Bobby zu Beginn – an jedem Drehort auch gleich die passende Filmszene gezeigt. Mit im Bus sitzen noch etwa 10 weitere Filmfans aller Altersstufen, die genauso wie ich auf eine spannende Tour entlang berühmter Drehorte warten. Einen kurzen Moment verschnaufen, das hektische Treiben auf der Straße Unter den Linden beobachten und dann geht es auch schon los!

Hollywood in Berlin: Internationale Stars und Produktionen

Nur wenige Augenblicke später sind wir am Gendarmenmarkt, wo der Jackie Chan-Film „In 80 Tagen um die Welt“ produziert wurde. Dieser Film war nicht nur die erste Großproduktion nach der Wende, auch wurden auch nahezu alle Szenen in Berlin und Brandenburg gedreht: eine Weltreise in Berlin sozusagen. „Berlin ist in diesem Film die eigentliche Hauptdarstellerin und ihre Rollen waren in diesem Fall London, Paris und Istanbul.“, fasst Tourguide Bobby zusammen. Dieser Satz wird so oder so ähnlich während unserer Tour noch häufiger fallen. Denn Regisseure haben Berlin immer wieder als Kulisse für andere Städte benutzt – ohne, dass der Kinobesucher meist etwas davon merkt. So diente etwa die Gegend rund um das Café Moskau und Kino International in Hollywood-Produktionen wie „Die Bourne Verschwörung“ wegen ihrer DDR-Architektur zum Teil als Moskau-Kulisse.

Dient als Filmkulisse im Film „Die Bourne Verschwörung“: Café Moskau in der Karl-Marx-Allee unweit vom Alexanderplatz

Dient als Filmkulisse im Film „Die Bourne Verschwörung“: Café Moskau in der Karl-Marx-Allee unweit vom Alexanderplatz

Warum sich Filmemacher immer wieder entscheiden in Berlin zu drehen? Klar, in den meisten Fällen ist es eine Geldfrage. Gerade in den frühen 2000er-Jahren konnte Berlin durch die günstigen Drehbedingungen immer wieder Regisseure aus der ganzen Welt anziehen. Außerdem hat die Stadt einige markante Bauwerke zu bieten, die sich gut als Kulisse für andere europäische Städte eignen. So wurde das Konzerthaus am Gendarmenmarkt im Film „In 80 Tagen um die Welt“ kurzum zur königlichen Akademie der Wissenschaften umfunktioniert. Nur wenige Meter weiter diente der Französische Dom als Gebäude der renommierten Bank of England in London. Der Big Ben wurde nachträglich einmontiert. So einfach bastelt man sich sein eigenes London zusammen!

Hier im Bild: Die königliche Akademie der Wissenschaft in London (in Wirklichkeit: Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt)

Hier im Bild: Die königliche Akademie der Wissenschaft in London (in Wirklichkeit: Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt)

Der rasante Berlin-Film “Lola rennt”: Logische Fehler und außergewöhnliche Drehorte

Dann geht es zurück auf die Straße Unter den Linden, wo im Hotel de Rome die berühmte Bankraubszene aus Tom Tykwers „Lola rennt“ gedreht wurde. Wie das beim Film ja oft so ist, wurde auch hier viel getrickst: Der Außendreh fand auf dem Vorplatz des Hotels statt, die Innenaufnahmen wurden jedoch im Haus Cumberland am Kurfürstendamm gemacht. Von Logik kann in Bezug auf die Drehorte in diesem Film aber wirklich in den seltensten Fällen die Rede sein: innerhalb weniger Sekunden legt Lola Distanzen in der Stadt zurück, mit denen wohl selbst ein gut trainierter Sportler seine Probleme hätte. Auf der Oberbaumbrücke zeigt Bobby das sehr anschaulich anhand einer Filmsequenz und macht anhand einer animierten Karte deutlich, wie weit die einzelnen Drehorte in der Stadt verstreut liegen. Sein Resümee klingt dann aber dennoch sehr versöhnlich: „Klar, der Film ist extrem unlogisch. Aber darum geht es auch gar nicht. Berlin spielt die eigentliche Hauptrolle – und so sind im Film wenigstens die markantesten Orte ganz Berlins versammelt. Da kann man den guten Tom Tykwer schon verstehen, denn um Genauigkeit geht es ihm hier wirklich nicht.“

Unterwegs mit Tourguide Bobby

Unterwegs mit Tourguide Bobby

Das Repertoire an Filmen, die während der gesamten Tour vorgestellt werden, ist bunt gemischt: So höre ich am Alexanderplatz das erste Mal etwas über den DEFA-Film „Hostess“, der oben auf der Aussichtsplattform des Fernsehturms gedreht wurde. Auf der Karl-Marx-Allee erzählt Bobby amüsante Anekdoten über die Film der Bourne-Reihe und berühmte Klassiker wie „Goodbye Lenin“ und die titelgebende Szene mit der Lenin-Statue darf natürlich auch nicht fehlen. Die Tour fährt auch an Orte, an die ich sonst wahrscheinlich eher nur durch Zufall geraten wäre. So fahren wir zum Beispiel durch die Wedekindstraße in Friedrichshain, in der Teile von „Das Leben der Anderen“ abgefilmt wurden, oder durch die Singerstraße, die in der DDR-Produktion „Die Legende von Paul und Paula“ eine tragende Rolle spielt.

Berlin-Drehorte: Kult-Filme und Klassiker der Filmgeschichte

Neben Filmklassikern wie Billy Wilders „Eins, Zwei, Drei“ oder „Emil und die Detektive“ sind natürlich auch ein paar Kult-Filme dabei, die jeder Cineast kennen sollte. So machen wir zum Beispiel einen kleinen Abstecher in den Kreuzberger Kiez von „Herr Lehmann“. Hier machen wir Station an der Markthalle 9. Im Weltrestaurant Markthalle spielt die zentrale Szene des Films, in der sich Christian Ulmen als leicht verlotterter Herr Lehmann zum Frühstück einen Schweinebraten bestellt, für diese dreiste Bestellung ordentlich Ärger mit der Köchin bekommt – und sich schließlich Hals über Kopf in sie verliebt. Da sich die Hauptfigur die meiste Zeit der Handlung sowieso in Kneipen aufhält, fahren wir auch gleich noch an einigen einschlägigen Kiezkneipen vorbei, so zum Beispiel bei der Kneipe „Zum Elefanten“ am Heinrichplatz. Definitiv Kult! Hier würde es sich sicher auch mal anbieten, eine Tour durch alle im Film besuchten Kneipen zu machen. Kreuzberger Nächte sind ja bekanntlich lang…

In der Markthalle 9 in Kreuzberg wurden Szenen des Kult-Films „Herr Lehmann“ gedreht

In der Markthalle 9 in Kreuzberg wurden Szenen des Kult-Films „Herr Lehmann“ gedreht

Von Kreuzberg aus geht es Richtung Checkpoint Charlie, an dem James Bond im Film „Octopussy“ den Grenzübergang überquert, dann weiter vorbei am Finanzministerium („Operation Walküre“ von Tom Cruise) zum Potsdamer Platz („Emil und die Detektive“) und Hauptbahnhof („The International“).Was mir an der Tour besonders gut gefällt: Tourguide Bobby kennt sich wirklich gut aus – sowohl in der Geschichte des Films als auch in der Stadt Berlin. Die Tour ist immer perfekt getimt – so werden die Filmszenen wirklich immer genau zum gleichen Zeitpunkt gezeigt, an dem wir an dem erwähnten Drehort vorbeifahren. So fahren wir durch den Tiergartentunnel und können im selben Moment mit Matt Damon bei der aufregenden Tunnel-Verfolgungsjagd aus dem Film „Die Bourne Verschwörung“ mitfiebern. Oder uns am Brandenburger Tor zeitgleich in die Stadtrundfahrt aus dem Billy-Wilder-Film „Eine auswärtige Affäre“ hineinversetzen. Und für ein schnelles Foto bleibt trotz der sehr eng getakteten Tour auch immer noch genug Zeit.

Das Brandenburger Tor – auch immer wieder beliebter Drehort deutscher und internationaler Filme

Das Brandenburger Tor – auch immer wieder beliebter Drehort deutscher und internationaler Filme

Fazit

Insgesamt ist die zweistündige Videobustour „Filmstadt Berlin – Kino auf Rädern“ rasend schnell vorbeigegangen. Es hat wirklich viel Spaß gemacht, durch die Stadt zu fahren und neue Drehorte und Filme kennenzulernen. Ich hätte gut und gerne noch zwei weitere Stunden so umherfahren und mir amüsante Filmanekdoten anhören können. Genug Drehorte hat Berlin auf jeden Fall zu bieten. Die Organisatoren bieten übrigens regelmäßig Touren zu unterschiedlichen Filmgenres und -epochen, so versprechen auch die Krimi-Touren oder die Route entlang bedeutender Drehorte der 1920er Jahre spannend zu werden.

Allen Berlin-Besuchern wie Einheimischen kann ich also nur sehr empfehlen, mal bei dieser etwas anderen Stadttour mitzufahren. Hier werden nicht nur Sehenswürdigkeiten abgehakt, sondern eben auch Hintergrundinformationen zu Geschichte und Kulturleben der Hauptstadt geliefert. Selbst hartgesottene Film-Fans und Berliner können hier definitiv noch viel Neues lernen – und das alles auf sehr unterhaltsame und kurzweilige Weise. Einziges Manko ist vielleicht höchstens der Preis: die zweistündige Tour kostet 19,50 Euro. Doch meiner Meinung nach ist es das wert, weil hier wirklich stadt- und filmkundige Tourguides moderieren, die Ihr fundiertes Wissen auf sehr anschauliche Art und Weise vermitteln. Ich komme jedenfalls gerne wieder – und werde die Videobustour gleich mal meinen nächsten Berlin-Besuchern vorschlagen.

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